"Wie man Liebe erhält"

von Andersdenkende am 01.Sept.2001

Hallo ihr Lieben! :-)

Hier wie versprochen die "lange Antwort" auf die Anfrage, wie das mit der Liebe nach dem Abklingen der ersten Verliebtheit ist...

Wer eine mehrjährige Zweierbeziehung hinter sich hat oder sie zur Zeit lebt, kennt das Problem: Es ist gar nicht so leicht, die Liebe am Blühen zu halten, sich der Gefühle für den Partner immer bewusst zu bleiben und die Schmetterlinge zu "konservieren".
Der Alltag zieht früher oder später ein, und irgendwann lebt man mehr nebeneinander her als miteinander, und der eigene Partner, den man doch mal sooo geliebt hat, wird zur Selbstverständlichkeit, zur Gewohnheit, die da ist wie das Bild an der Wand oder der Sessel in der Ecke.
Wie kriegt man es hin, dass man trotz allem eine "lebendige Beziehung" führen kann, dass man trotz allem auch nach Jahren noch weiß: DAS ist er, er war und ist die Liebe meines Lebens... ;-)

Ich schreibe euch heute ein paar meiner ganz persönlichen Tipps auf, sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und eine Garantie, dass sie funktionieren, kann ich euch auch nicht geben - kann euch nur sagen, bei mir klappt es schon seit einigen Jahren sehr gut damit ;-), aber alles ist freilich subjektiv wie immer. Ich schreibe es mal wieder aus weiblicher Sicht, und logischerweise aus der Sicht einer noch recht jungen Ehe.
Vielleicht ergänzt der eine oder andere noch was dazu? Fände ich prima!

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1. Vergesst nie das Gefühl der ersten Verliebtheit; setzt hin und wieder bewusst die rosarote Brille auf.

Ein guter Tipp, stammt nicht von mir, sondern aus der Psychologie.
Es ist klar, dass sich im Lauf der Zeit auch "andere Seiten" am Partner herausstellen, dass man allmählich seine Macken kennenlernt und feststellt, hey, ein Übermensch ist das auch nicht, im Gegenteil...
Dann ist es wichtig, bewusst an die erste Zeit zurückzudenken und sich einfach vorzustellen, den Partner noch einmal mit denselben Augen wie damals zu sehen. Wie war das damals, als ER von einem stand, wie war das, als das eigene Herz gebebt hat bis zum Zerspringen, wie war das, wenn man auf jede SMS, jeden Anruf gewartet hat...
Das eigene Herz "anstupsen" sozusagen, damit die Schmetterlinge wieder fliegen. ;-)

2. Versucht nicht, den Partner zu ändern.

Erstens klappt es meistens sowieso nicht, zweitens haben Veränderungen häufig Nebenwirkungen, die man sich in dieser Art nie gewünscht hat. Außerdem ist die Gefahr groß, dass euch euer Partner in veränderter Form gar nicht mehr gefällt - weil er nicht mehr er selbst ist. Einen anderen Menschen als Partner für das Leben anzunehmen, bedeutet, Respekt vor seiner Persönlichkeit und Identität zu haben. Dazu gehört, nicht an ihm herumzudoktern.

3. Werdet souverän.

Regt euch nicht über jede Kleinigkeit auf. Der meiste Kram, mit dem man sich tagtäglich herumschlägt, ist eigentlich unwichtiger Nonsens. Steht über den Dingen. Akzeptiert, dass eure Partner nicht perfekt sind, ihr selbst seid es schließlich auch nicht. Seid großmütig ihnen, aber auch euch selbst gegenüber. Er hat mal wieder den Schwiegermutterbesuch vergessen und zudem den Keller nicht aufgeräumt? Nicht so toll, aber na und? Er ist der Mann, den ihr liebt. Schwiegermutter wird es überleben, trotz Vorankündigung wie ein "Überraschungsgast" empfangen worden zu sein, und den Keller kann man auch wann anders aufräumen.

4. Liebt euch selbst und bleibt Individuum auch in der Partnerschaft

Frauen haben oft den merkwürdigen Drang dazu, sich in Partnerschaften selbst "aufzugeben". Sie sind so versessen darauf, dem Gegenüber alles zu geben, dass sie sich selbst und die eigene Individualität komplett aus dem Blick verlieren.
Wer das tut, entfremdet sich aber über kurz oder lang von sich selbst und wird für den Partner auch langweilig. Deshalb: Pflegt auch weiter eure eigenen Hobbys und Kontakte, lasst euch nicht okkupieren von zuviel Aufeinanderhocken. Denn das kann eine Partnerschaft ersticken und zum Stillstand bringen. Wenn ihr unter der berühmten Doppel- oder gar Dreifachbelastung leidet, versucht trotzdem, ob ihr nicht ganz bewusst einen Abend oder wenigstens ein paar Stunden die Woche für euch freischaufeln könnt, der nur euch gehört, an dem ihr euch mit Freundinnen trefft, euch pflegt, oder einfach euren Träumen und Gedanken bei schöner Musik freien Lauf lasst.

5. Redet miteinander

Eigentlich ganz leicht, oder?
In der Realität aber oft keine Selbstverständlichkeit. Man redet mit jedem: Mit der Mutter, der Freundin, den Kollegen, nur mit dem eigenen Partner nicht. Jeder ist immer bestens informiert, nur der Mann, mit dem man zusammenlebt, der läuft sehr oft nur so nebenher.
Lasst euch deshalb an euren Gefühlen, Gedanken und Träumen teilhaben. Erzählt euch gegenseitig eure Ziele im Leben. Nehmt euch hin und wieder die Zeit, euch (OHNE Fernseher, OHNE Radio) zusammenzusetzen und euch zu berichten, wie es derzeit in euren verschiedenen Lebensbereichen läuft. Mit wem von euren Freunden/ Kollegen kommt ihr gerade gut aus, mit wem nicht? Wie sieht es im Beruf aus, hatte man Ärger, hatte man Erfolg? Wie fühlt man sich insgesamt, bräuchte man mal wieder Urlaub, hat man Lust und Energie auf neue Erlebnisse?
- Das solltet ihr mit eurem Partner teilen, denn dann kann er auch an eurem Leben teilhaben.

6. Streitet fair

Ihr müsst nicht traurig sein, wenn ihr das Gefühl habt, dass es in eurer Ehe/Beziehung viel Streit gibt. Oft sind es die lebendigsten Beziehungen, in denen viel gestritten wird, Beziehungen, die leidenschaftlich und emotionsgeladen sind, und in die beide Beteiligte viele Gefühle einbringen.
Wichtig ist nur das Wie: Macht aus Mücken keine Elefanten. Werdet nicht pauschal abwertend ("Du machst das IMMER so, IMMER verletzt du mich, IMMER wieder denke ich, du hast mich NIE geliebt..."). Sagt keine Dinge, die ihr später bereuen werdet (keine Beleidigungen, keine Drohungen, keine Verurteilungen des Partners als Ganzes). Konzentriert euch auf das spezielle Problem, sagt, was EUCH daran stört ("Da ist etwas geschehen, was ich nicht in Ordnung finde, es hat mich verletzt."). Wenn ihr das Gefühl habt, ein Streit könnte eskalieren, macht einen ‚Waffenstillstand' und geht für eine Stunde auseinander; das kann so aussehen, dass einer einen Spaziergang macht, während der andere in der Wohnung bleibt, o.ä.. Wenn sich die Gemüter beruhigt haben, ist es meistens möglich, nochmal frisch anzusetzen, ohne dass die Eskalationssituation gegeben ist.
Vergesst auch im Streit nicht, dass ihr euren Partner liebt (verlange ich hier Unmögliches von euch? *lach, nee, ich weiß, es ist schwer, vor allem, wenn sich der Liebste gerade eben mal wieder aufgeführt hat wie ein Riesen-Rhinozeros... aber es geht, und je mehr Übung ihr dabei habt, umso besser geht es).

7. Seht Krisen als Chance

KEINE Ehe, sie kann noch so gut sein, wird 40, 50, 60 Jahre überstehen ohne Krise. Pi mal Daumen (und auf die Erfahrungswerte aus meiner Familie bezogen) würde ich den Durchschnitt bei einem solch langen Eheleben auf mindestens zwei ernsthafte Krisen plus ein paar kleinere Tiefen ansetzen.
Machen wir uns nichts vor, wir können viel theoretisieren, wir wissen alle: In dem Moment, in dem wir in der Krise drinstecken, ist es elend schlimm und tut furchtbar weh - klar, sonst wäre es ja keine Krise. Trotzdem ist es so, dass eine gemeisterte Krise eine ungeheure Chance bedeuten kann, für die eigene Persönlichkeit, wie für die Partnerschaft. Wichtig ist nur, dass man sie zusammen meistert, dass man sich an den Händen fasst und die Hürde gemeinsam nimmt. Wenn einer dabei auf der Strecke bleibt, ist es keine Krise mehr, dann ist es das Ende.
Wenn es aber gemeinsam klappt, wird die Liebe hinterher gereifter und tiefer sein und in eine neue Phase übergehen.
Was meine eigene Situation angeht, so schließe ich selbst es z.B. nicht aus, dass auch mein Mann einmal "schwach" werden könnte, er ist schließlich ebenso wenig immun gegen Geliebte wie ich gegen Geiger. Es kann immer passieren, und keiner ist davor gefeit.
Was ist dann, wenn... - ?
Es wird unendlich weh tun, und ich werde in ein sehr, sehr tiefes Loch fallen. Ich werde weinen und schreien und im ersten Moment glauben, dass ich es nicht überleben werde. Dann werde ich mich leer fühlen, ausgebrannt, so, als habe jemand mein Innerstes geraubt. Ich werde alles in Frage stellen, woran ich jemals geglaubt habe und von dem ich dachte, dass es richtig war.
Und dann...
Dann hoffe ich, dass sowohl mein Mann als auch ich reif genug sein werden, um darüber zu reden. Ich hoffe, dass unser beider Liebe tief und stark genug sein wird, dass wir uns beide erneut füreinander entscheiden und den Bund ein zweites Mal schließen können. Ich hoffe, dass ich genug Größe haben werde, um aus ganzem Herzen zu verzeihen, ihm und ihr. Und ich hoffe, wieder glücklich zu werden mit ihm. ;-)

8. Lasst euch Freiräume

Erstickt eure Partner nicht, weder mit Fürsorge noch mit Kontrolle. Lasst ihnen Luft zum Atmen und Raum zum Wachsen. Gemeinsame Erlebnisse sind toll, eigene aber befruchten die Partnerschaft, halten die Liebe spannend. Wer hin und wieder etwas getrennt unternimmt, Hobbys und Kontakte pflegt, hat sich immer wieder etwas zu erzählen.
Wenn er abends mit seinen Kumpels weg will - gönnt es ihm. Macht ihm keine Szene, werft ihm nicht vor, euch nicht zu lieben, nur weil er euch mal alleine lässt. Nutzt die Zeit lieber für euch, freut euch, dass ihr mal "frei" habt. Schnüffelt ihm nicht hinterher und durchsucht seine Sachen nicht; wenn er es darauf anlegt, euch zu betrügen, schafft er das auch bei aller Kontrolle, es bringt also gar nichts. Verbietet ihm seine Hobbys nicht, und seid nicht eifersüchtig auf seine Familie oder seine Freunde. Klar ist sein Kumpel Berti nervig, die ganze Zeit lacht er blöd rum und reißt schmutzige Witze. Und was die beiden Männer daran finden, sich in den Keller zurückzuziehen, sich bunte Fanschals um den Hals zu hängen und laut gröhlend vor der Glotze zu hocken, das wird eine kultivierte, vernünftige Frau wohl nie begreifen...
Aber Männe hängt nun mal an Berti und Berti an ihm, also kein Grund, herumzugiften, nur weil es euch nicht passt.
Und, ganz im Vertrauen, sooo übel ist der Berti eigentlich gar nicht... denkt nur mal an letztes Weihnachten, als Männe und die Kinder mit Grippe im Bett lagen, euch alles über den Kopf gewachsen ist, und dann zu allem Überfluss noch der Wasserrohrbruch passierte und es im ganzen Haus kein Wasser mehr gab... kein Handwerker aufzutreiben, weil es kurz vor Weihnachten war... da war es doch Berti, der sofort am selben Tag nach der Arbeit angedüst kam und sogar noch einen Installateur-Kumpel mitgebracht hat, und am selben Abend haben die beiden die Wasserleitung wieder zusammengeklopft und repariert gehabt...
Das sollte man vielleicht auch nicht ganz unerwähnt lassen... ;-)

9. Kultiviert eure Gemeinsamkeiten

Ebenso wichtig wie die Freiräume sind die Gemeinsamkeiten. Erst ein ausgewogenes Miteinander der beiden Aspekte macht die Harmonie einer Ehe aus.
Gut ist es, wenn ihr ein gemeinsames Hobby oder Interesse habt, das ihr zusammen pflegen könnt (bei mir und meinem Mann ist es z.B. das soziale Engagement, außerdem reisen wir beide sehr gern (<--- Studienreisen, immer wieder spannend und hochinteressant, gibt tolle gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen)). Nichts schweißt mehr zusammen als gemeinsames Erleben und schöne Erinnerungen.

10. Empfindet euch als Team

Zieht immer an demselben Strang. Unterstützt euch gegenseitig beim Erreichen eurer Ziele. Tragt Frust nicht in der Form in die Partnerschaft hinein, dass ihr eure miese Laune am Gegenüber auslasst, sondern erzählt ihm von euren Problemen und sucht gemeinsam nach Lösungen. Lasst euch von euren Partnern helfen und seid auch selbst für sie da in allen Lebensbereichen und -lagen.
Sprecht euch gegenseitig Anerkennung aus, wenn ihr etwas Gemeinsames erreicht habt oder einer von euch einen einzelnen Erfolg verbuchen konnte. Lobt euch gegenseitig und freut euch miteinander.

11. Kommt weg von der "Mach mich glücklich!"- Einstellung

Viele Frauen neigen dazu, vom Partner das vollkommene Glück und die Lösung all ihrer Probleme zu erwarten. Dass das nicht funktionieren kann, ist klar; mit dieser Einstellung überfordert man JEDEN Menschen.
Letztendlich ist es so, dass man die Verantwortung für das eigene Glück immer selbst trägt. Es liegt an einem selbst, was man aus seinem Leben macht und wie man es angeht. Wer in der Lage ist, sich selbst glücklich zu machen, wird auch in seiner Partnerschaft viel Glück finden.

12. Bemüht euch umeinander

Irgendwie ist es schon seltsam - ausgerechnet dem Menschen, den man doch am meisten von allen liebt, lässt man oft die wenigste Aufmerksamkeit zukommen, bei ihm gibt man sich am seltensten Mühe, weil er halt eben so SELBSTVERSTÄNDLICH ist. Vorsicht: Nichts auf der Welt ist selbstverständlich!
Was aber hindert einen daran, auch um einen Menschen, der einem eigentlich schon "gehört", zu werben? Sich um ihn zu bemühen, sich kleine Überraschungen auszudenken, ihm eine Freude zu machen?
Sendet ihm doch einfach mal wieder ein paar liebe SMS, versteckt ihm einen Liebesbrief unter seinem Kopfkissen. Kauft ihm eine Kleinigkeit, über die er sich freut oder entführt ihn auf einen Überraschungsausflug. Albern, weil man schon so viele Jahre zusammen und verheiratet ist? Nicht doch, nicht doch. Gerade DANN ist diese Liebe wertvoll und will gepflegt sein.
Ich schreibe dem meinigen gerne Liebesgedichte, und seine Spezialität ist es, alle Jahre wieder mal so zu tun, als wäre ich nicht seine Ehefrau und als würde er wieder um mich werben. Ich weiß dann immer, dass mir nun eine tolle Woche bevorsteht, mit Blumensträußen via Fleurop, tausend lieben Anrufen und E-Mails.
Warum soll man solche Dinge immer nur in "frischen" Beziehungen oder mit Zweitmännern erleben dürfen, warum nicht mit dem langjährigen Ehemann?
Versucht, es hinzukriegen (ich weiß, es ist stressig und schwierig, gerade mit Beruf und mit Kindern noch mehr), dass ihr euch wenigstens alle zwei, drei Wochen mal so richtig hübsch für ihn macht. Nicht nur dann, wenn ihr ausgeht oder andere mit dabei sind, sondern wirklich für zuhause und für ihn. Schließlich kriegt er euch auch oft genug im Jogginganzug mit wirren Haaren und ungeschminkt zu Gesicht, oder? *smile
Außerdem, selbst wenn ihr es in dem Moment, in dem ihr mit dem "Hübschmachen" anfangt, als stressig empfindet, wird es euch gut tun: Ihr werdet euch gefallen, wenn ihr euch im Spiegel anseht, ihr werdet selbstbewusst sagen können: "Hey, ich bin eine tolle Frau!"
Somit tut ihr mit dem, was ihr für ihn tut, auch schon wieder was für euch... aber pscht, nicht weitersagen ;-).

13. Guter Sex ist wichtig

Heikles Thema, hmm?
Die Wichtigkeit von gutem Sex für eine gute Beziehung wird leider gerade von Frauen oft unterschätzt. Tut das nicht! Männer geben es oft nicht zu, um euch nicht zu verletzen, sie zeigen es nicht, dass sie diese 08/15-Nummer im Ehebett schon lange nervt, aber auch ihr selbst tut euch nichts Gutes damit, wenn ihr aus falscher Scham, Bequemlichkeit oder Ignoranz auf ein erfülltes Sexualleben verzichtet.
Deshalb: Seid experimentierfreudig. Das bedeutet nicht, dass ihr Sachen tun sollt, die euch abstoßen, aber vieles, was ihr bislang nur vom Hörensagen kennt, wird euch vielleicht Spaß machen, wenn ihr es erst mal ausprobiert habt. Es gibt eine Menge "harmloser" Varianten, die schon viel dazu beitragen können, dass der Sex wieder spannend und aufregend wird, wechselt mal die Stellung, tauscht das Bett gegen den Küchentisch oder (kein Witz!) ein Hotelzimmer, geht in einem öffentlichen Gebäude bis in das letzte Stockwerk oben unter dem Dach (dort ist es meistens ziemlich ruhig und einsam ;-))... und never forget, hübschmachen! Richtet hin und wieder mal ein Candlelight-Dinner zuhause, überrascht ihn im Flur in einem tiefdekolletierten Samtkleid mit nichts darunter als Strapsen und Strümpfen.
Eeeecht, das funktioniert??? - Und wie, meine Lieben! *rotwerd* ähhh, also ich bringe so eine Aktion ungefähr einmal im Monat, und es ist immer wieder ein tolles Erlebnis...

- Aber ist das nicht anstrengend, sich immer wieder Dinge für den Partner ausdenken zu müssen? Yep, natürlich ist es das manchmal, vor allem, wenn man gerade vielleicht zusätzlich Stress im Beruf hat, irgendwie unlustig drauf ist, tausenderlei anderen Kram zu erledigen hätte... aber gerade dann sollte man sich ZEIT nehmen. Und ganz im Ernst, warum machen eigentlich immer alle so ein Theater darum, wenn es heißt, dass man für eine gute Beziehung auch arbeiten muss, dass es auch mal anstrengend ist, eine Partnerschaft stabil und liebevoll zu erhalten?
Für alles, was uns im Leben etwas wert ist, müssen wir arbeiten. Freundschaften wollen gepflegt sein, für unsere Körper müssen wir gut sorgen, damit sie nicht krank werden, und wenn wir ein schickes Auto oder eine neue Wohnungseinrichtung haben wollen, müssen wir dafür arbeiten. Warum machen wir gerade in dem Lebensbereich, der uns allen so unendlich wichtig ist, warum machen wir gerade in der Liebe ein Gezeter darum und erwarten, dass uns hier alles geschenkt wird?
- Das nur mal wieder als Denkanstoß.

14. Lacht miteinander

Ein echtes Erfolgsrezept. Führt euch ruhig hin und wieder kindisch miteinander auf, habt Spaß am Leben und genießt es. Zuckt die Achseln, wenn andere euch deshalb für komplett durchgeknallt halten - wichtig ist, dass ihr glücklich seid.
Vor ein paar Tagen, als es noch so heiß draußen war, habe ich mit meinem Vater telefoniert. Er erzählte mir, dass die Nachbarn mal wieder "blöd geschaut" hätten. Oje, ich ahnte schon, was kommen würde...
Meine Eltern, beide gestandene ältere Herrschaften jenseits der 50, hatten sich in einem ihrer (oft auftretenden ;-)) Anfälle von Spontaneität riesige bunte Wasserpistolen gekauft und mittags im Garten Fangen und Verstecken miteinander gespielt. Und sich dabei gegenseitig unter lauthalsem Gebrüll und Gelächter mit den Wasserpistolen beschossen.
Die Nachbarn müssen wie erstarrt auf ihren Balkonen und Terrassen gesessen haben und ihren Augen nicht getraut haben.
"Nun ja," meinte mein Vater in aller Gelassenheit, "Solange wir noch reihum zu den ganzen Grillfesten eingeladen werden, kann es noch nicht so schlimm sein."
Bingo. Und von mir aus können die Nachbarn gucken, so viel sie wollen: Tatsache ist, dass meine Eltern wie immer mal wieder einen klasse Nachmittag und viel Spaß miteinander hatten.

15. Setzt euch eure Highlights selbst

Viele Leute verbringen ihr Leben damit, zu warten. Sie warten darauf, dass irgendetwas ganz, ganz Tolles passiert, dass ein Wunder geschieht, dass sie eines Morgens aufwachen und die ganze Welt ist verändert und das reinste Schlaraffenland. Man wartet darauf, dass die Partnerschaft auf einmal einen "Kick" bekommt, dass man im Lotto gewinnt, dass der Chef einem den Non-plus-ultra-Job anbietet, oder darauf, dass plötzlich ein Zauberer vor einem steht und sagt: "Ab heute wird dein Leben wundervoll sein". Man wartet auf tolle Erlebnisse, die man gerne haben würde, und die aus irgendeinem Grund immer nur die anderen zu haben scheinen.
Dabei kann sie jeder haben.
Knackpunkt ist, dass es an einem selbst liegt, was man im Rahmen seiner Möglichkeiten aus seinem Leben macht!
Wer immer nur auf Highlights wartet, wird selten welche erleben. Man muss sich die Highlights selbst setzen, sich seine "Lebensschale selbst füllen". Es kommt immer darauf an, was man selbst hineinlegt...
Schöne Erlebnisse sind selten Schicksal oder Zufall, sie sind bis zu einem hohen Grade planbar. Schon mal darüber nachgedacht, wie klasse es sein kann, an einem heißen Sommertag mit der ganzen Familie, dem Picknickkorb und ein paar Strandspielen loszuziehen, anstatt den Tag vor der Flimmerkiste zu verbringen?
Wie schön es sein kann, sich einfach einmal ZEIT füreinander zu nehmen, miteinander zu reden und sich zuzuhören?
Und dann die Erlebnis-Highlights, die man nie vergessen wird, solange man lebt...
Wir waren z.B. zum Jahrtausend-Sylvester in Wien auf dem Kaiserball. Diese letzten paar Sekunden Hand in Hand im großen Saal in der Hofburg unter der Uhr, ehe der Zeiger auf Mitternacht sprang... unvergesslich.
Und nächstes Jahr möchte ich zum Hochzeitstag nach Kairo, die Aufführung der "Aida" vor den Kulissen der Pyramiden sehen. Auch das wird ein echtes Highlight werden, auch das wieder ein Erlebnis für's Leben.
(Für alle, die nun sehnsüchtig gucken und seufzen "Das würden wir auch gerne machen, aber das Geld..."
Geht mal ins Reisebüro und fragt einfach nach! Diese ganzen Veranstaltungen sind pauschal buchbar, und wenn ihr nicht viel Wert auf die Qualität der Unterkunft und sonstigen Luxus legt, dann werdet ihr euch wundern, für wie wenig "materielles" diese ideellen Highlights zu haben sind... ;-)
Außerdem macht man das ja nicht jedes Jahr, sondern alle paar Jahre einmal. *smile)

16. Nehmt euch Zeit

Schwierig! Besonders, wenn beide arbeiten, besonders, wenn Kinder da sind. Trotzdem: Ein Tag, wenigstens ein Abend in der Woche sollte der Partnerschaft gehören. Nutzt diesen Tag/Abend zum Reden, Genießen, Lieben. Konzentriert euch hier ganz auf euch als Paar, lasst andere Leute außen vor.
Es ist lieb gemeint, wenn euch die Leute raten :"Man darf nicht zulassen, dass man nebeneinander her lebt!" - aber wer selbst schon die Erfahrung einer langjährigen Partnerschaft gemacht hat, weiß, wie schwer bzw. wie unmöglich das ist.
Der Alltag holt jede Beziehung ein, aber meine Erfahrung ist, dass wenn man sich einen Abend bewusst für den Partner reserviert und hier "miteinander lebt", dass es dann auch nicht schlimm ist, wenn man den Rest der Woche zwangsläufig mehr nebeneinander her lebt. Es gibt eben "Alltag", und es gibt "Sonntag", und es ist möglich, beides mit demselben Mann zu erleben.

17. Erinnert euch daran, dass ihr euch liebt.

Das hört sich nun ganz selbstverständlich an, nicht wahr?
Ist es aber gar nicht.
"Ich liebe dich" ist so leicht, so nebenbei dahergesagt.
Was dahintersteckt, vergisst man ganz unmerklich im Lauf der Jahre.
Sich erinnern heißt, sich etwas innerlich bewusst zu machen und sich dort zu bewahren.
Was bewahrt werden soll, ist das Gefühl für ihn, ist die Liebe, die irgendwann im eigenen Herzen aufgeblüht ist und die man nun so gerne am Blühen halten möchte.
Und der Mensch, um den es geht, das ist ER, derjenige, für den wir uns entschieden haben, um das Leben mit ihm zu verbringen.
Im Verlauf langjähriger Beziehungen passieren seltsame Dinge. Nach einer gewissen Zeit regen uns Kleinigkeiten auf. Wir fangen an zu streiten, verletzen und werden verletzt. Wir stellen Rechnungen auf, haben das Gefühl, der Partner oder das Leben seien uns "etwas schuldig". Es kommen Zeiten, in denen uns der vertraute, liebe Mensch fremd erscheint.
Und ganz verrückterweise ist es so, dass uns auf einmal die Eigenschaften, die uns früher an ihm so gut gefallen haben, zu Tode nerven. Weil wir plötzlich festgestellt haben, dass auch seine positiven Eigenschaften eine Kehrseite haben, die wir in der ersten Verliebtheit nicht wahrnehmen wollten, weil wir einsehen müssen, dass manches, was uns in dem einen Lebensbereich gut in den Kram passt, uns in einem anderen unsäglich stört.
Und dann ärgern wir uns, dass der Partner kein Kleiderschrank ist, aus dem wir ein Stück rausnehmen und ein anderes dafür reinhängen können und das Leben keine Speisekarte, aus der wir à la carte auswählen können, was uns gerade schmeckt.

Ich erzähle euch mal wieder von meinem Liebsten, dem besten aller Ehemänner ;-): Er hängt sehr an seinem Beruf, ist voller Begeisterung bei der Sache und ständig am Arbeiten. Sogar am Wochenende bringt er irgendwelche Akten mit nach Hause und macht privat noch alles mögliche nebenbei. Die enthusiastische Begeisterung, mit der er über seinen Aktenbergen brütet, vermisse ich aber kläglich, wenn es zum Beispiel darum geht, dass er den Müll runterbringen soll.
Und nun? Nun kann ich mich aufregen. Ich kann zornig sein und schimpfen und toben und Streit anfangen. Oder aber ich rege mich nicht auf und warte einfach ab. Irgendwann, spätestens, wenn er die nächste Kaffeepause einlegt, wird er sich an meine Bitte erinnern und den Müll dann schon runterbringen. Schließlich habe ich gewusst, dass ich einen Workoholic heirate, und wenn ich ehrlich bin, war doch auch gerade seine Zielstrebigkeit, seine Ernsthaftigkeit in allen wichtigen Dingen eine der Eigenschaften, die mich angezogen haben. Und schließlich zeigt er eben diese Zielstrebigkeit und Ernsthaftigkeit auch in der Partnerschaft, in allen Belangen unserer Ehe. Ist das nicht viel wichtiger als der Müll, im wahrsten Sinne des Wortes?

Zweites Beispiel, brandaktuell, von heute:
Es ist Samstagmorgen, leichtes Nieselwetter, so richtig schön, um im Bett zu bleiben, auszuschlafen, nachher gemütlich miteinander zu frühstücken, zu faulenzen...
Sechs Uhr morgens, ich bin noch im Tiefschlaf, auf einmal brüllt der Wecker los, Männe springt aus dem Bett, zieht sich an, fängt an, wild mit Transparenten und Plakaten zu rumpeln. Ich sitze mit einem Riesenschrecken aufrecht im Bett, dann fällt mir düster wieder ein, richtig, irgendwas war heute, muss er nicht wieder die Wale retten gehen? Nein, halt, das war letzten Monat, heute ist es was anderes.
Kein gemeinsames Frühstück, keine Faulenzerei, kein Kuscheln, kein Ausschlafen, nur ein liebes Küsschen, ein nettes "Schlaf ruhig noch ein bisschen", und dann ist Männe weg, auf dem Weg in die Fußgängerzone, Stand aufbauen, Unterschriftensammlung gegen Menschenrechtsverletzungen im Iran.
Und ich liege hier, bin schlecht aufgewacht, einsam und habe mindestens vier Waschladungen Wäsche vor mir, bei denen mir keiner hilft.

Und nun? - Nun hätte ich toben, schreien, zornig sein können. Ich hätte ihm eine Szene machen können, ihm vorwerfen, dass ihm alles andere wichtiger ist als ich, hätte die üblichen Totschlag-Sätze aussprechen können in der Art von "IMMER machst du das, IMMER lässt du mich alleine, NIE hast du Zeit für mich, du liebst mich NICHT, denn sonst würdest du...". Ich hätte frustriert sein können, mich vernachlässigt fühlen können.
Was habe ich stattdessen gemacht?
Mir bewusst gemacht, dass das der Mann ist, in den ich mich verliebt habe. Dass es diese Eigenschaften sind, für die ich ihn bewundere, sein Engagement, seine Hilfsbereitschaft, sein Verantwortungsbewusstsein auch gegenüber anderen. Habe mich daran erinnert, wie toll ich es immer fand, dass ihm seine Mitmenschen nicht egal sind, dass er bereit ist, viel Energie und Zeit in das zu stecken, woran er glaubt.
Und dass all dies Wesenszüge an ihm sind, die ich liebe.

Also habe ich erst mal noch zwei Stunden geschlafen, bin dann gut gelaunt aufgewacht. Habe in aller Ruhe Kaffee getrunken, dazu meine Musik gehört, die ihm nicht gefällt und die ich sonst aus Rücksicht auf ihn beim Frühstück nicht auflege. Ich konnte mir endlich diese grauenhafte grüne Gurkenmaske ins Gesicht schmieren, da mich nun ja keiner sieht, und ich habe die freie Zeit genutzt, mal wieder ein Posting für euch zu schreiben - Zeit, die ich normalerweise nicht gehabt hätte. Im Keller rumpelt gerade die zweite Wäscheladung durch, die erste hängt schon auf der Leine.
Später werde ich ein halbes Dutzend Thermoskannen Kaffee kochen, einen Stapel belegter Brote richten und mich auf den Weg in die Fußgängerzone machen, meinen Liebsten und seine Mitstreiter überraschen.
Vielleicht ist mein Mann dann gerade im Gespräch mit einem unentschlossenen Passanten, so vertieft, dass er mich nicht gleich bemerkt, und ich kann ihn ein bisschen anschauen und beobachten dabei. Ich werde seine Begeisterung sehen und seinen Einsatz, seine Überzeugungskraft und seinen Willen, etwas zu bewegen. Und ich werde verdammt stolz auf ihn sein...

Mindestens einer der Mitstreiter wird mal wieder genießerisch meinen Kaffee schlürfen, es super finden, dass ich meinem Liebsten keinen Stress mache wegen des verlorenen Samstags, stattdessen selbst noch vorbeikomme, er wird sehnsüchtig dreinschauen und zu meinem Mann sagen, dass er eine tolle Frau hätte.
Mein Mann wird den Arm um mich legen und vor Stolz strahlen.
Vielleicht werde ich ein bisschen mithelfen beim Unterschriftensammeln, werde mich mal wieder einmischen und mich unbeliebt machen bei haufenweise vorbeieilenden Leuten. Vielleicht wird mir wieder jemand an den Kopf knallen, das ihn das alles nicht interessiert und nicht betrifft und dass das ein gesellschaftliches Problem der anderen ist. Und ich werde ihm dann erklären, dass es "die anderen" nicht gibt, und dass die Gesellschaft immer WIR sind.
- Mal schauen, wie es abgehen wird!
Jedenfalls werden wir hinterher noch den ganzen Samstagabend für uns haben, und morgen dann einen wunderschönen Sonntag.
Und ob man nun den Samstag- oder den Sonntagmorgen im Bett verbringt, ausschläft, faulenzt, kuschelt, frühstückt. schmust...
... das ist doch eigentlich so was von egal, oder? :-)

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Alle guten Wünsche zum Wochenende,
vergesst nicht, euer Herz anzustupsen, damit die Schmetterlinge wieder fliegen :-)
und lest die Überschrift zu diesem Posting ruhig in doppeltem Sinne, so ist sie auch gedacht...;-)

Alles Liebe wünscht euch
die Andersdenkende